Archive | Juli 2006

Hey You The Rocksteady Crew

Während ich diese Zeilen hier tippe, sitze ich an meinem geöffneten Fenster. Ich wünschte, das komische Sushirestaurant nebenan würde nach Geschäftsschluß seine Bierbänke einräumen, das würde meinen Schlaf erheblich verbessern. Und ich müßte nicht allabendlich feststellen, daß in mir ein kleiner Spießer wohnt, der Wörter wie ‚Lärmbelästigung‘ in seinen aktiven Wortschatz aufgenommen hat. Bisher habe ich das Wort noch nicht laut ausgesprochen, aber daß ich es hier niederschreibe, ist auch schon ein bedenkliches Zeichen.

Schuld daran sind heute abend aber nicht nur einfach trinkende und quatschende Prenzlauerbergspaziergänger, die sich vor meinem Haus eine kleine Pause gönnen, sondern eine Person mit einem mp3-fähigen Handy.
Handys mit mp3-Player-Funktion haben in letzter Zeit leider die Rolle dessen eingenommen, was in den guten alten Breakdance-Achtzigern die mobilen Boomboxen waren, nostalgisch und politisch unkorrekt ausgedrückt: die Ghettoblaster.
Ich war damals noch ein bißchen zu klein, um selber einen mit mir rumtragen zu wollen, aber wahrgenommen habe ich das schon, und fand’s sogar irgenwie cool, daß da irgendwelche Styler auf der Straße herumlaufen und große batteriebetriebene Musikkisten auf der Schulter mit sich herumtrugen, um sich und ihre Umwelt zu beschallen.
Diese mobilen Boomboxen sind jetzt durch kleine plärrende Handgeräte ersetzt worden, die ein paar grundlegende Nachteile haben:
a) die akustische Qualität.
b) die musikalische Qualität. Es sind leider nicht mehr die Styler, die die Dinger wirklich benutzen, sondern nur noch die Volldeppen, was sich leider auf die Auswahl der abgespielten Songs niederschlägt.
c) die Repeat-Funktion. Gerade im Moment zum beispiel höre ich zum achten Mal die neue Single der Red Hot Chilli Peppers von der Straße hochschallen. Ich habe nichts gegen die Red Hot Chilli Peppers, wirklich nicht. Die finden sich auch in meiner Plattensammlung, und anscheinend sitzt da unten ein Volldepp mit wenigstens rudimentär ausgebildetem Musikgeschmack. Aber ungefähr ab dem dritten Mal fing ich schon an, mich über vorbeifahrende Trams zu freuen, denn die sind lauter und übertönen kurzfristig das monotone Geplärre da unten.
d) es sieht einfach nicht lässig aus, mit einem handtellergroßen, plärrenden Etwas durch die Gegend zu schlendern. Wenn irgendwas Krach macht, muß es wenigstens eine eindrucksvolle Erscheinung haben.

Punkt.

Das Leben der Anderen

Es gibt ja so Abende.
Die ganze Woche ziemlich viel gearbeitet, endlich Wochenende und man könnte jetzt ausgehen und sich ins Nachtleben stürzen. Aber eigentlich ist man ein bißchen faul, bißchen müde, eigentlich hat man keine Lust, mit irgendjemandem zu reden, und eigentlich könnte man genausogut zuhause bleiben und früh ins Bett gehen.
Normalerweise wäre das auch kein Problem, aber wie gesagt gibt es halt diese Abende. An denen geht das einfach nicht, denn man ist schließlich ein aktiver junger Mensch und hat ein soziales Leben, das gepflegt werden will und freitagabends alleine zuhause bleiben ohnehin nur Loser. Und obwohl man ja eigentlich ohnehin nicht kommunizieren will und demonstrativ niemanden anruft, ist es trotzdem irritierend, wenn das Telefon an genau diesem Abend nicht wenigstens einmal klingelt.

Neulich war dann also jedenfalls mal wieder so einer, und zu allem Überfluß war es auch noch einer dieser Abende mit Regen – was ja die Möglichkeiten, einen dieser Abende zu verbringen, noch weiter einschränkt, denn die attraktivste Möglichkeit (einfach ein bißchen mit dem Rad durch die Gegend fahren und den anderen Leuten beim Ausgehen zusehen) fiel dadurch schon mal ins Wasser.

So beschloß ich, den Abend möglichst zu inszenieren: ‚Tourist in der eigenen Stadt‘ spielen, sich in großstädtischer Melancholie suhlen und so tun, als ob man wirklich keine Sau kennt. Das geht zum Beispiel so: mit theatralischer Miene das ohnehin nicht klingelnde Telefon ausschalten und alleine ins Kino gehen.

Das mache ich sehr selten, aber eigentlich gern. Die vielen freitagabendausgehfreudigen Grüppchen, die mir auf dem Weg zum Kino entgegenkamen, regten auch nur ganz kurz Zweifel an meinem Vorhaben. (Na gut, und ein bißchen Neid. Alle sahen so wach und kommunikationsfreudig aus.)
Daß an dem Abend dieser Film über die Stasi noch lief, schien mir sehr passend. Mit immer noch theatralischer Miene legte ich mir eine besonders bedeutungsschwangere Formulierung zum Kartenkauf zurecht. ‚Ich hätte gerne einmal das Leben der Anderen.‘

Daraufhin enstpann sich folgendes Gespräch:
Kassenfrau: ‚Es sind nur noch Karten in Reihe zwei frei.‘
Ich: ‚Ist das ihr Ernst? kein einziger freier Platz mehr in einer der hinteren Reihen? Na gut, dann Reihe zwei.‘
Sie: ‚Zwei?‘
Ich: ‚Äh.. ja. Sagten sie doch gerade.‘
Sie: ‚Also zwei Tickets in Reihe zwei.‘
Ich: ‚Nein, eins.‘
Sie: ‚Reihe eins? Wieso denn? In Reihe zwei ist aber doch auch-‚
Ich: ‚EIN Ticket. EIN Ticket für Reihe ZWEI.‘
Sie: ‚Wie, nur ein Ticket? Warum sagen sie das denn nicht gleich?‘

Man muß vielleicht dazusagen, daß ich selbst für die Spätvorstellung recht spät dran war und diese Frau, der Kartenabreißer und ich mittlerweile die einzigen beiden Menschen im ganzen Foyer waren – Dachte sie, ich will den Kartenabreißer ins Kino einladen?

Oh.

Eigentlich wollte ich ja nur eine Filmrezension schreiben. Aber wahrscheinlich haben den eh schon alle gesehen, da muß ich jetzt auch nicht mehr viel dazu sagen.

Kurzurlaub im Braunkohletagebau.

Klingt armselig? Isses aber nicht.
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Bloggen…

Könnt ich auch mal wieder, hab ich grad so überlegt.
Der letzte Eintrag ist ja doch schon eine Weile her, was unter anderem mit meinem Dasein als Internetnomade zusammenhängt, den ich seit Anfang Mai friste. Und wenn mein neu auserwählter Internetbereitsteller nicht mal langsam in die Pötte kommt, wird das wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Wer sich fragt, was ich in den letzten Monaten so getrieben habe, der sei mit der Bildersammlung beschieden, denn passiert ist zwar wie üblich eine Menge, aber eine schriftliche Zusammenfassung wäre, wie ich befürchte, im Rückblick ein wenig monothematisch- außerdem habe ich geschworen, das böse W-Wort vorläufig nicht mehr in den Mund respektive in die Tastatur zu nehmen.
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