Hey You The Rocksteady Crew

Während ich diese Zeilen hier tippe, sitze ich an meinem geöffneten Fenster. Ich wünschte, das komische Sushirestaurant nebenan würde nach Geschäftsschluß seine Bierbänke einräumen, das würde meinen Schlaf erheblich verbessern. Und ich müßte nicht allabendlich feststellen, daß in mir ein kleiner Spießer wohnt, der Wörter wie ‚Lärmbelästigung‘ in seinen aktiven Wortschatz aufgenommen hat. Bisher habe ich das Wort noch nicht laut ausgesprochen, aber daß ich es hier niederschreibe, ist auch schon ein bedenkliches Zeichen.

Schuld daran sind heute abend aber nicht nur einfach trinkende und quatschende Prenzlauerbergspaziergänger, die sich vor meinem Haus eine kleine Pause gönnen, sondern eine Person mit einem mp3-fähigen Handy.
Handys mit mp3-Player-Funktion haben in letzter Zeit leider die Rolle dessen eingenommen, was in den guten alten Breakdance-Achtzigern die mobilen Boomboxen waren, nostalgisch und politisch unkorrekt ausgedrückt: die Ghettoblaster.
Ich war damals noch ein bißchen zu klein, um selber einen mit mir rumtragen zu wollen, aber wahrgenommen habe ich das schon, und fand’s sogar irgenwie cool, daß da irgendwelche Styler auf der Straße herumlaufen und große batteriebetriebene Musikkisten auf der Schulter mit sich herumtrugen, um sich und ihre Umwelt zu beschallen.
Diese mobilen Boomboxen sind jetzt durch kleine plärrende Handgeräte ersetzt worden, die ein paar grundlegende Nachteile haben:
a) die akustische Qualität.
b) die musikalische Qualität. Es sind leider nicht mehr die Styler, die die Dinger wirklich benutzen, sondern nur noch die Volldeppen, was sich leider auf die Auswahl der abgespielten Songs niederschlägt.
c) die Repeat-Funktion. Gerade im Moment zum beispiel höre ich zum achten Mal die neue Single der Red Hot Chilli Peppers von der Straße hochschallen. Ich habe nichts gegen die Red Hot Chilli Peppers, wirklich nicht. Die finden sich auch in meiner Plattensammlung, und anscheinend sitzt da unten ein Volldepp mit wenigstens rudimentär ausgebildetem Musikgeschmack. Aber ungefähr ab dem dritten Mal fing ich schon an, mich über vorbeifahrende Trams zu freuen, denn die sind lauter und übertönen kurzfristig das monotone Geplärre da unten.
d) es sieht einfach nicht lässig aus, mit einem handtellergroßen, plärrenden Etwas durch die Gegend zu schlendern. Wenn irgendwas Krach macht, muß es wenigstens eine eindrucksvolle Erscheinung haben.

Punkt.

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One response to “Hey You The Rocksteady Crew”

  1. sabrina says :

    gut ausgedrückt, genauso steh auch ich diesen nervigen kleinen dingern gegenüber.
    liebe grüße

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