Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
in allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
an Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Dieses Gedicht heisst ‚Weltende‘ und wurde vor fast hundert Jahren geschrieben von jemandem namens Jakob van Hoddis. Wikipedia sagt, dieser Herr van Hoddis hat in Berlin gelebt, und das wiederum bringt mich zu dem Schluss: Klimawandel hin oder her, vor hundert Jahren war auch schon genau so ein Sauwetter wie heute.

weltende.jpg

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2 responses to “”

  1. bosch says :

    An Septembertagen wie diesen wünscht man sich geradezu ein wenig Klimaerwärmung. Schönes Gedicht.

  2. Holle says :

    sehr schön. und exakt im trakl-ton.
    zum vergleich herr gernhardt:

    Im Trakl-Ton (Herbst)

    Die Pendel brauner Uhren nicken leise.
    Der Abendmond verläßt sein bleiches Bett.
    Ein Jäger einsam bei dem Hasel steht.
    Die schwarzen Vögel ziehen leichte Kreise.

    Gewaltig schlingt der Schlund der Nacht.
    Die Häuser wehren sich mit spitzen Zähnen.
    Verblaßte Hände, die den Schlaf ersehnen,
    Vielleicht, daß in dem Rohr ein Windstoß lacht.

    In engen Stuben blinde Kinder singen.
    Im nahen Flusse treibt ein toter Hund.
    Die Nebel steigen keusch aus feuchtem Grund
    Und lassen ein verwehtes Weinen klingen.

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